Was eine Warenwirtschaft als „Bedarf“ ausweist, ist meistens die Summe der Lagerbewegungen. Das ist etwas anderes als das, was Kunden wollten — und der Unterschied verstärkt sich mit jedem Zyklus.
Ein Dispositionssystem braucht eine Zahl für „wie viel wird gebraucht“. Die einzige Zahl, die verlässlich vorliegt, ist der Warenausgang. Also wird der Warenausgang zur Nachfrage erklärt.
Das geht gut, solange immer genug da war. Sobald ein Artikel einmal nicht lieferbar war, geht es schief — denn dann hat niemand ihn bestellt, und der Warenausgang war null. In der Auswertung erscheint er als Artikel ohne Nachfrage.
Der Fachbegriff dafür ist zensierte Nachfrage: Die Nachfrage war da, wurde aber nicht sichtbar, weil das Angebot fehlte. Das Tückische ist die Rückkopplung:
Das System bestätigt sich selbst. Von innen heraus lässt sich der Kreis nicht durchbrechen, weil jede Auswertung dieselbe verzerrte Grundlage nutzt.
Der erste Reflex lautet: Dann rekonstruieren wir eben, wann der Artikel wie lange nicht verfügbar war, und rechnen die Lücke hoch.
In der Praxis scheitert das an den Daten. Sobald ein Lagerverwaltungssystem im Spiel ist, ist der historische Bestandsverlauf durch Umlagerungen, Korrekturen und Zählvorgänge so verzerrt, dass die Rekonstruktion mehr Fehler einführt, als sie behebt.
Es gibt eine Messung, die ohne Bestandsrekonstruktion auskommt: bestellt gegenüber ausgeliefert. Beides steht in den Auftragsdaten und ist unstrittig. Wo beides auseinanderfällt, gab es Nachfrage, die nicht bedient wurde — unabhängig davon, was das Lager damals gemeldet hat.
Das erfasst nicht jede verlorene Nachfrage; wer wegen „nicht lieferbar“ gar nicht erst bestellt, taucht auch hier nicht auf. Aber es liefert eine belastbare Untergrenze aus Daten, denen man trauen kann — und das ist mehr wert als eine genauere Zahl, die auf einer wackligen Rekonstruktion beruht.
Neben der Nachfrage gibt es einen zweiten stillen Fehler: die Wiederbeschaffungszeit. Sie steht meist als Stammdatenfeld im System und wurde einmal beim Anlegen geschätzt.
In einem realen Betrieb ergab die Nachrechnung aus den tatsächlichen Lieferereignissen: hinterlegt waren 3 Tage, gemessen wurden 32. Der daraus abgeleitete Meldebestand verschob sich von 1 auf 13 Stück. Mit dem alten Wert wäre der Artikel bei jedem zweiten Zyklus leer gewesen — und hätte dann als schwacher Artikel in der Auswertung gestanden. Womit wir wieder am Anfang wären.
Von innen ist der Kreis nicht zu durchbrechen — jede Auswertung nutzt dieselbe verzerrte Grundlage. Es braucht eine Messung, die außerhalb steht: bestellt gegen ausgeliefert. Beides steht unstrittig in den Auftragsdaten und kommt ohne Rekonstruktion des Bestandsverlaufs aus.
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Individuelle Software und Werkzeuge für Betriebe, die mit Standardlösungen an Grenzen stoßen.