RATGEBER

Die Wieder­beschaffungs­zeit in Ihren Stammdaten ist vermutlich falsch

Jede Bestellempfehlung steht auf zwei Zahlen: erwartete Nachfrage und Wiederbeschaffungszeit. Über die erste wird viel geschrieben. Die zweite steht meist ungeprüft in einem Stammdatenfeld — und trägt trotzdem die halbe Rechnung.

Woher der Wert kommt

Meistens von einem Menschen, der beim Anlegen des Artikels eine Zahl eintragen musste, weil das Feld ein Pflichtfeld war. Oft ist es der Wert, den der Lieferant zugesagt hat. Manchmal eine glatte Zahl, weil gerade keine bessere zur Hand war.

Danach schaut niemand mehr hin. Das Feld ändert sich nicht, wenn der Lieferant langsamer wird, wenn ein Zwischenlager dazukommt oder wenn der Transportweg wechselt.

Ein gemessener Fall

In einem laufenden Betrieb wurde die Wiederbeschaffungszeit aus den tatsächlichen Lieferereignissen nachgerechnet — also aus dem Abstand zwischen Bestellung und Wareneingang, je Ereignis, über die Historie.

Hinterlegt waren 3 Tage. Gemessen wurden 32.

Der daraus abgeleitete Meldebestand verschob sich von 1 auf 13 Stück. Mit dem alten Wert wäre der Artikel bei jedem zweiten Zyklus leer gewesen.

Warum der Fehler sich selbst verdeckt

Hier schließt sich ein unangenehmer Kreis. Ein Artikel, der wegen zu kleinem Meldebestand regelmäßig ausverkauft ist, verkauft weniger. In der Auswertung erscheint er deshalb als schwacher Artikel. Der nächste Bestellvorschlag fällt noch kleiner aus.

Die falsche Lieferzeit erzeugt also eine falsche Nachfragezahl, und die falsche Nachfragezahl bestätigt die zu kleine Bestellmenge. Von innen heraus fällt das nicht auf — dazu mehr unter Phantombedarf.

Wie man richtig misst

Je Lieferereignis, nicht je Bestellung. Eine Bestellung kann in mehreren Teillieferungen ankommen. Wer nur die letzte zählt, misst zu lang; wer nur die erste zählt, zu kurz.

Vom richtigen Zeitpunkt aus. Maßgeblich ist, wann die Bestellung entstanden ist — nicht, wann sie zuletzt bearbeitet wurde. Statusänderungen verschieben das Datum sonst unbemerkt.

Mit der Streuung, nicht nur dem Mittelwert. Ein Lieferant mit konstant 20 Tagen ist etwas völlig anderes als einer, der zwischen 5 und 40 schwankt — auch wenn beide im Schnitt bei 20 liegen. Der Sicherheitsbestand hängt an der Streuung, nicht am Mittelwert.

Regelmäßig neu. Ein einmal gemessener Wert ist in zwölf Monaten wieder ein Stammdatenfeld.

Der Aufwand lohnt sich zuerst dort, wo es weh tut

Man muss nicht alle Artikel auf einmal nachrechnen. Sinnvoll ist der Einstieg bei denen mit hohem Kapitaleinsatz oder häufigen Fehlbeständen. Dort sitzt das Geld — und dort ist die Abweichung meistens am größten, weil genau diese Artikel oft die mit den längsten und unzuverlässigsten Lieferketten sind.

PASST DAZU

Werkzeuge zum Thema

KONTAKT

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Dann lohnt ein Blick in Ihren konkreten Fall.

4VEX.

Individuelle Software und Werkzeuge für Betriebe, die mit Standardlösungen an Grenzen stoßen.

© 2026 4VEX<EX/>